Kreuzwege


Siegfried Fricker war unter anderem für seine Kreuzwegdarstellungen bekannt. In rund vier Jahrzehnten hat er eine Vielzahl von Kreuzwegen geschaffen, angefangen vom Jestetter (1933/34) bis hin zu dem von Ohlsbach (1973). Auch wenn das Thema in all den Jahren das gleiche geblieben ist, die Stile wechseln sich. Es gibt Kreuzwege in Holz, in Stein und auch während des Krieges in Russland auf Sperrholz gemalte.

Details der Kreuzwege von Siegfried Fricker

Auch beim traditionellen Thema der Kreuzwege nimmt sich Siegfried Fricker einige künstlerische Freiheiten. Dass er das Thema mit immer neuen Stilen angeht, ist offensichtlich; es gibt aber noch mehr interessante Details zu entdecken.

Da ist beispielsweise die 6. Station "Veronika reicht Jesus ihr Schweisstuch". Auf dem Bild vom Russland-Kreuzweg (1943) ist aber kein schwacher, leidender Jesus zu sehen, der eines Schweisstuches bedürfte. Vielmehr sieht man einen kraftvollen Jesus, der das Kreuz fest in seinem Arm hält. Blickt man genauer hin, so erkennt man, dass Veronika gar nicht an Jesus gibt; es ist Jesus, der Veronika ihr Schweisstuch mit seinem Antlitz darauf zurückgibt. Mit dieser zeitlichen Verschiebung um wenige Augenblicke erreicht Fricker, dass aus dem Leiden ein Geschenk von Jesus wird.

Auch bei anderen Stationen verschiebt Fricker manchmal den Zeitpunkt. Dies ist auch bei der 10. Station "Jesus wird seiner Kleider beraubt" vom Kreuzweg von Stein am Rhein (1967/68) der Fall. Dargestellt ist nicht der Raub der Kleider, zu sehen sind vielmehr der leidende Jesus und die Soldaten, die ums Gewand würfeln; beide Szenen sind mehr oder weniger unabhängig voneinander. Beim Mannheimer Kreuzweg (1955/57) ging Fricker noch weiter, dann ist bei der Station nur noch der leidende, nackte Jesus zu sehen; das Geschacher ums Gewand ist eine Art Fussnote der folgenden Station. Wieder anders sieht es beim Kreuzweg für Oberlauchringen (1961/62) aus, mit dem Text "BEWAHRE DICH" ist es nicht nur die Darstellung des Leids, vielmehr ist es die Aufforderung, sich und sein Ziel, seine Aufgabe trotz aller Not nicht zu vergessen.

Mit dem "TRAGE ANDERER LAST" bei der 5. Station des Oberlauchringer Kreuzwegs macht Fricker deutlich, dass das Leiden Christi für ihn Verpflichtung ist, selber zu dienen. Dies zeigt sich auch am Kreuzweg Ohlsbach (siehe Kopfzeile).

Der "offizielle" Kreuzweg ist bei der 14. Station "Jesus wird ins Grab gelegt" fertig, das Leiden ist beendet. Aber bei vielen seiner Kreuzwege macht Fricker mit der 14. Station noch nicht Schluss, es kommt noch die 15. Station, die Auferstehung. Damit ändert Fricker die Thematik der Kreuzwege ab, mit der Auferstehung wird es ein Stück Heilsgeschichte.



Russland Kreuzweg, 6. Station Stein am Rhein, 10. Station Stein am Rhein, 15. Station
Russland, 6. Station
Stein am Rhein, 10. Station
Stein am Rhein, 15. Station
Oberlauchringen, 5. Station
Oberlauchringen, 10. Station
Oberlauchringen, 8. Station
Oberlauchringen, 5. Station
Oberlauchringen, 10. Station
Oberlauchringen, 8. Station

Ausgewählte Kreuzwege

Liste aller Kreuzwege

Nachfolgend ist die Liste aller Kreuzwege von Siegfried Fricker, zusammengestellt von Radegund Fricker/Günther Saltin, ergänzt mit ein paar Kommentaren über den Verbleib.

Nr.
Ort
Jahr
Material
Bemerkung
1
Jestetten (Kirche)
1933/34
Birnbaum

2
Todtnau (Friedhofskapelle)
1936
Eiche

3
Eggingen-Obereggingen
1938
Bühler Bergstein

4
in Russland gemalt
1942
Aquarelltafeln

5
in Russland gemalt
1943
Aquarelltafeln

6
Klettgau-Erzingen (Kapellenberg)
1946/47
Bühler Bergstein

7
Allensbach-Hegne (Marianum)
1951
Birnbaum

8
Vallendar-Schönstatt (Pilgerplatz)
1952
Bühler Bergstein

9
Murg (Kalvarienberg)
1953
Muschelkalk

10
Jestetten (Sanatorium)
1954
Eiche
Verbleib unklar
11
Jestetten (Altersheim)
1957
Eiche

12
Mannheim (St. Peter)
1955/57
Eiche

13
Waldshut-Tiengen-Gurtweil (Mädchenheim)
1958
Birnbaum

14
Mannheim (St. Josef)
1957/58
Muschelkalk

15
Marxzell-Pfaffenrot
1958/59
Eiche

16
Obrigheim
1957
Eiche

17
Stockach (Krankenhaus)
1959
Eiche

18
Waldshut-Tiengen (Kolpinghaus)
1960
Birnbaum
nun in der Caritas-Kapelle Waldshut
19
Albbruck
1960
Eiche

20
Koblenz-Ehrenbreitstein (Krankenhaus)
1961/62
Nussbaum

21
Lauchringen-Oberlauchringen
1961/62
Niovèholz
zur Zeit abgehängt
22
Radolfzell (St. Meinrad) 1962
Eiche

23
Koblenz-Arenberg
1962
Kirsche

24
Konstanz-Wollmatingen
1962/63
Linde

25
Bad Peterstal (St. Peter. Paul)
1963
Eiche

26
Waldshut-Tiengen (Krankenhaus)
1964
Eiche

27
Bad Peterstal-Griesbach (Bildungsheim)
1964
Eiche

28
Görwihl-Rotzingen
1965
Eiche

29
Neuenburg (Kapelle)
1965
Eiche
nun in der Pfarrkirche
30
Überlingen (Seebad)
1965
Kirsche

31
Renchen
1966
Eiche (alt)

32
Bad Peterstal-Griesbach (Mütterheim)
1967
Eiche

33
Stein am Rhein
1967/68
Eiche
nun in Bichtlingen
34
Buchen
1970/71
Nussbaum

35
Küssaberg-Kadelburg
1971
Birnbaum

36
Mannheim (Heckert-Stift)
1972
Eiche

37
Ruhestetten bei Messkirch
1973
Eiche

38
Ohlsbach
1973
Eiche